Naturschutzgebiet & Vogelzugroute
- 21. Apr.
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Aktualisiert: 22. Apr.
Die geplante Windkraft-Eignungszone Steineck - Kammern befindet sich in weniger als 700 Metern Entfernung zum Naturschutzgebiet Nr. XXI „Niedere Tauern, Ostausläufer“. Dieses wurde 2015 vom Land Steiermark aufgrund seiner Bedeutung als „Lebensraum für eine Vielzahl seltener und charakteristischer, geschützter Tier- und Pflanzenarten“ unter Schutz gestellt. Das Gebiet hat eine Größe von 732 Hektar und umfasst u.a. Flächen der Gemeinden St. Stefan ob Leoben, Kraubath, Kammern sowie Mautern.

Eine derartige räumliche Nähe von bis zu 15 Windkraftanlagen zu einem so großflächigen Naturschutzgebiet ist als sehr bedenklich einzustufen.
Wildökologe: „Schlüsselrolle für den Vogelschutz in den Ostalpen“
Wildökologe Dr. Andreas Kranz kennt das Naturschutzgebiet genau und hat dort mehrfach Untersuchungen durchgeführt. Er untermauert die Bedeutung des Gebiets:
Das Naturschutzgebiet XXI nimmt eine Schlüsselrolle für den Vogelschutz in den Ostalpen ein. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass hier eine bedeutende inneralpine Zugvogelroute verläuft, die von zahlreichen Greif‑, Groß‑ und Kleinvogelarten regelmäßig genutzt wird.
Während des herbstlichen Vogelzugs wurden in diesem Gebiet außergewöhnlich hohe Durchzugszahlen festgestellt. Diese lagen nicht nur deutlich über jenen anderer untersuchter Standorte in der Steiermark, sondern auch über anerkannten fachlichen Schwellenwerten, die in der Windkraftplanung als kritisch gelten.
Das Gebiet erfüllt damit nicht nur lokale, sondern überregionale Funktionen für den europaweiten Vogelzug. Die vorliegenden Untersuchungen zeigen klar, dass dieses Naturschutzgebiet nicht irgendein Landschaftsraum, sondern ein kernbedeutender Teil des alpinen Naturhaushalts ist.
Weitere wichtige Aspekte:
Einzigartiger Naturraum in den Niederen Tauern – ein wissenschaftlich belegtes Kerngebiet für Zugvögel, Waldarten und Biodiversität.
Lebensraum für viele geschützte Arten (Vögel, Fledermäuse, Insekten, Raufußhühner, Großsäuger)
Unzerschnittene Wälder und Höhenrücken sind zentral für die Artenwanderung
Verbindungs- und Ursprungsgebiet für Tier- und Pflanzenarten zwischen Niederen Tauern und Gleinalm
Überregionale Bedeutung weit über die Steiermark hinaus

Windkraftanlagen wirken weit über den unmittelbaren Standort hinaus
Windkraftanlagen mit sehr großer Nabenhöhe verändern den Luftraum und die Landschaft weit über den unmittelbaren Standort hinaus.
Fachgutachten zeigen, dass insbesondere in ökologisch sensiblen Gebieten folgende Risiken auftreten können:
Erhöhtes Kollisionsrisiko für ziehende und jagende Vögel
Barrierewirkung entlang von Zugrouten
Verlust wichtiger Flug‑ und Nahrungsräume
Beeinträchtigung von Fledermäusen durch Rotoren und Druckunterschiede
Diese Effekte können die Schutzfunktion eines Naturschutzgebietes erheblich einschränken, selbst wenn die Anlagen formal außerhalb der Schutzgrenzen errichtet werden.
Sensibilitätskarte von BirdLife Österreich
Der Verein BirdLife Österreich stellt mit dieser Karte das Konfliktpotenzial zwischen Windkraftnutzung und Vogelschutz vergleichend dar. Es handelt sich um eine Analyse auf Basis der Verbreitung 49 windkraftsensibler Vogelarten und der modellierten Stärke des herbstlichen Vogelzugs.

Diese Analyse weist für den Bereich der geplanten Windkraft-Eignungszone Steineck-Kammern auf einer fünfstufigen Skala die Sensibilitätskategorie 4 „hoch“ auf und zeigt ein zusammenhängendes Gebiet mit dem Naturschutzgebiet Nr. XXI „Niedere Tauern, Ostausläufer".



